Sonnenbalkon
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Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Eine Rechnung mit echten Zahlen

Wie viel Strom ein Balkonkraftwerk an deinem Balkon liefert, wie viel davon du selbst nutzt und nach wie vielen Jahren es bezahlt ist.

Von Julian · · 4 Min. Lesezeit

Meistens ja. Ein einfaches Set mit zwei Modulen kostet heute 200 bis 300 Euro und ist an einem unverschatteten Süd-, Ost- oder Westbalkon nach drei bis fünf Jahren bezahlt. Halten tun die Module zwanzig Jahre und länger. Wo es nicht aufgeht: am Nordbalkon, hinter Bäumen, und bei allen, die zu viel Geld für Zubehör ausgeben.

Ob es bei dir aufgeht, hängt an drei Zahlen. Die meisten Werberechnungen nehmen für alle drei den Bestwert.

Zahl 1: Was die Module an deinem Balkon erzeugen

Die Leistung auf dem Datenblatt sagt wenig. Entscheidend ist, wie die Module hängen. Die Verbraucherzentrale rechnet für ein 400-Watt-Modul senkrecht an einem unverschatteten Südbalkon mit rund 280 Kilowattstunden im Jahr. Das sind 0,7 Kilowattstunden pro Watt Modulleistung, und mit diesem Faktor lässt sich gut überschlagen:

MontagekWh pro Watt und Jahr (grob)900-Watt-Set
Süd, schräg aufgestellt (ca. 30°)0,9–1,0800–900 kWh
Süd, senkrecht am Geländer0,7630 kWh
Ost oder West, senkrecht0,45–0,55400–500 kWh
Nord oder stark verschattetunter 0,3unter 270 kWh

Die Werte schwanken mit Region und Wetterjahr um zehn bis zwanzig Prozent. Genauer wird es mit dem kostenlosen Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin, der auch deinen Verbrauch einbezieht.

Zahl 2: Wie viel davon du wirklich nutzt

Das ist die Zahl, die in Prospekten fehlt. Ein Balkonkraftwerk spart nur dort Geld, wo sein Strom im selben Moment im Haushalt verbraucht wird. Was darüber hinausgeht, fließt ohne Vergütung ins Netz.

Mittags laufen in einer Wohnung, in der tagsüber niemand ist, nur Kühlschrank, Router und ein paar Geräte im Standby. Diese Grundlast liegt typischerweise bei 100 bis 200 Watt. Wenn die Module 600 Watt liefern, verschenkst du in diesem Moment zwei Drittel.

Deine Grundlast findest du ohne Messgerät heraus: Lies abends um 23 Uhr und morgens um 5 Uhr den Zähler ab. Die Differenz in Kilowattstunden mal 1.000, geteilt durch 6 Stunden, ist deine Grundlast in Watt. Bei 0,9 kWh sind das 150 Watt.

Als Faustregel gilt bei 800 Watt Wechselrichter und normaler Grundlast: Du nutzt 40 bis 60 Prozent selbst. Wer tagsüber zu Hause ist und Wasch- und Spülmaschine mittags laufen lässt, kommt höher.

Zahl 3: Dein Strompreis

Gespart wird der Arbeitspreis, also der Preis pro Kilowattstunde auf deiner Abrechnung, nicht der Durchschnitt inklusive Grundgebühr. Für Haushaltskunden liegt er 2026 meist zwischen 30 und 40 Cent. Wir rechnen mit 35 Cent.

Drei Balkone durchgerechnet

Formel: Ertrag × Eigenverbrauchsanteil × Strompreis = Ersparnis pro Jahr. Set mit zwei 450-Watt-Modulen, 300 Euro inklusive einfacher Halterung.

Südbalkon, senkrecht: 630 kWh × 50 % × 0,35 € = 110 € im Jahr. Nach knapp drei Jahren bezahlt.

Westbalkon, senkrecht: 450 kWh × 55 % × 0,35 € = 87 € im Jahr. Der Anteil ist etwas höher, weil der Abendstrom auf Kochen und Licht trifft. Nach dreieinhalb Jahren bezahlt.

Nordbalkon mit Nachbarhaus gegenüber: 230 kWh × 65 % × 0,35 € = 52 € im Jahr. Bezahlt nach knapp sechs Jahren. Rechnerisch geht es auf, aber nur, solange nichts kaputtgeht und du nicht umziehst. Hier würden wir eher abraten.

Zum Vergleich die Rechnung, die man oft in Anzeigen sieht: 900 kWh × 100 % × 0,40 € = 360 € im Jahr. Jeder einzelne Wert ist dort der Bestfall, und zusammen ergeben sie eine Zahl, die an einem Balkon fast nie erreicht wird.

Wo das Geld verloren geht

Die Amortisation kippt selten wegen der Module, sondern wegen des Zubehörs:

  • Speicher für 500 bis 1.000 Euro verlängern die Amortisationszeit fast immer, oft über die Lebensdauer der Batterie hinaus. Warum, steht in Speicher fürs Balkonkraftwerk.
  • Teure Halterungen für 150 Euro und mehr. Für ein Standard-Geländer reichen einfache Haken- oder Klemmhalterungen. Wichtig ist, dass sie für die Windlast an deinem Standort taugen, nicht, dass sie elegant aussehen.
  • Montage durch Fremdfirmen für 50 bis 100 Euro pro Modul. Bei einem ebenerdigen Balkon kannst du das mit einer zweiten Person selbst. Ab dem ersten Stock außen an der Brüstung lieber nicht allein.

Wer messen will, wie viel er tatsächlich selbst nutzt, kommt mit einer Messsteckdose für 15 bis 25 Euro aus. Die zeigt, was das Balkonkraftwerk liefert; zusammen mit den Zählerständen ergibt sich der Eigenverbrauch.

Unsere Einschätzung

Ein Balkonkraftwerk ist eine der wenigen Investitionen im Haushalt, die sich zuverlässig rechnet, solange man es einfach hält: zwei Module, ein Wechselrichter, eine solide Halterung. Wer Süd-, Ost- oder Westbalkon hat und mindestens fünf Jahre bleibt, macht wenig falsch. Was du vor dem Kauf klären musst, steht in Was erlaubt ist und was du anmelden musst.

Quellen

  • Verbraucherzentrale: Steckersolar, Ertragsbeispiel 400-Watt-Modul, Stand Juli 2026
  • HTW Berlin: Stecker-Solar-Simulator
  • Faktoren für Ost/West und Nord: eigene Überschlagsrechnung aus typischen PV-Ertragswerten für Deutschland, gerundet

Julian · Liest Normen und Herstellerdatenblätter, damit du es nicht musst, und rechnet jede Empfehlung mit echten Strompreisen nach.

Dieser Text wurde mithilfe von KI erstellt.

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